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zuletzt aktualisiert: 02.06.2002

         
 
 

Neokeynsianismus

Als Reaktion auf die neue klassische Makroökonomik in den 80er-Jahren entstandene makroökonom. Schule, die sich insbesondere um die mikroökonom. Fundierung der für die keynesian. Theorie zentralen Hypothese kurzfristiger Preis- und Lohnstarrheiten bemüht. Vertreter sind u. a. George A. Akerlof, Janet L. Yellen und N. Gregory Mankiw. Ausgangspunkt ist die (der neuen klass. Makroökonomik diametral entgegengesetzte) Überzeugung, dass sich die in der Realität beobachtbaren konjunkturellen Schwankungen nur bei Marktunvollkommenheiten auf der Mikroebene erklären lassen (z. B. Lohn- und Preisstarrheiten); insofern steht der Neue Keynesianismus in der Tradition der keynesian. Lehre. Allerdings wurden im naiven Keynesianismus Lohn- und Preisstarrheiten oftmals durch nicht rationales Verhalten erklärt (z. B. Nominallohnillusion der Arbeitnehmer). Dieses Abweichen vom Paradigma des Homo oeconomicus wurde v. a. bei neoklassisch orientierten Ökonomen zu einem zentralen Kritikpunkt am Keynesianismus. Der Neue Keynesianismus will zeigen, dass makroökonom. Lohn- und Preisstarrheiten mit Rationalverhalten auf der Mikroebene zu vereinbaren sind. Dieser Nachweis lässt sich nur dann führen, wenn die Unternehmen bzw. Gewerkschaften einen Preissetzungsspielraum haben. Daher ist die in den Modellen des Neuen Keynesianismus bevorzugte Marktform das Monopol bzw. die monopolist. Konkurrenz. Als mögl. Ursache für rational begründbare Preisstarrheiten werden u. a. Menu-Costs, gestaffelte Preissetzung und Koordinationsversagen genannt.

Ausgangspunkt für die Erklärung makroökonom. Preisstarrheiten durch gestaffelte Preissetzung auf der Mikroebene ist die Beobachtung, dass viele Preise einer Volkswirtschaft für eine gewisse Zeit vertraglich fixiert sind (z. B. durch Lieferverträge und Tarifabkommen). Grund für die Fixierung ist i. d. R. - durchaus rational - die Vermeidung von Risiko. Solche Verträge implizieren eine gewisse Lohn- und Preisträgheit. Entscheidendes Argument ist jedoch, dass es zu einem zusätzlichen Trägheitsmoment kommt, weil aus makroökonom. Perspektive die Verträge gestaffelte Laufzeiten aufweisen und daher nicht zum selben Zeitpunkt enden bzw. neu verhandelt werden. Kommt es z. B. zu einem Rückgang der Gesamtnachfrage, müssten alle Lohnsätze proportional sinken, um Vollbeschäftigung aufrechtzuerhalten. Es wird unterstellt, dass die Arbeitnehmer zu einer solchen Lohnsenkung bereit wären, wenn sich dadurch ihre >relative< Lohnposition im Vergleich zu anderen Arbeitnehmern nicht ändert. Lohnsenkungen sind aber nur dort möglich, wo Tarifverträge ausgelaufen sind und Neuverhandlungen anstehen. Würden die betroffenen Arbeitnehmer der gesamtwirtschaflich erforderl. Lohnsenkung zustimmen, würde sich ihre Lohnposition gegenüber den Arbeitnehmern verschlechtern, die noch von bestehenden Tarifverträgen geschützt werden. Ob diese später ebenfalls Lohnsenkungen zustimmen werden, ist aber offen. Daher werden die Beschäftigten in den Lohnverhandlungen allenfalls einer geringen Lohnsenkung zustimmen. Dieses - durchaus rationale - Verhalten lässt sich auf spätere Verhandlungen übertragen. Allein durch die Staffelung kommt es also zu Trägheiten des gesamtwirtschaftl. Preisniveaus mit der Folge, dass auf Rückgänge der Gesamtnachfrage nicht das Preisniveau, sondern das Beschäftigungsniveau sinkt. Ob diese oder andere Hypothesen des Neuen Keynesianismus zur Erklärung von Starrheit des gesamtwirtschaftl. Preisniveaus ausreichen, ist Gegenstand der aktuellen makroökonom. Diskussion.

(Brockhaus)

 

   

© J. Kuschnik 2002